Samstag, 9. September 2017

Ankunft in Marseille: Simone de Beauvoir

Simone de Beauvoir festgehalten von Thierry Ehrmann cc
Marseille löst Gefühle aus, wird geliebt oder verachtet oder läßt einen kalt. Liebe auf den ersten Blick war es für Simone de Beauvoir.

Sie kam im September 1937 als junge Lehrerin in die Stadt, stand auf der großen Treppe am Bahnhof Saint Charles, hatte kein Zimmer, kannte keinen Menschen, wußte nicht wo ihre Schule war - und dennoch:
„Liebe auf den ersten Blick. Ich turnte über Kopfsteinpflaster, ich streifte durch die Gäßchen, ich atmete den Geruch von Teer und Seeigeln im alten Hafen, ich mischte mich unter die Menge auf den Canebière. Ich liebte die ratternden Straßenbahnen, an denen Menschentrauben hingen und die Namen der Fahrziele: La Madraque, Mazargue, Les Chartreux, Le Roucas blanc.“
Bahnhof Saint Charles: Kurz geradeaus und dann nach rechts auf die Canebière

Über dem Restaurant „L’Amirauté“ fand sie schließlich ein Zimmer „mit einem annehmbaren Pensionspreis“ und unternahm, bei gerade mal vierzehn Stunden Unterricht in der Woche, lange Wanderungen durch die Umgebung, am Hafen entlang und in die Marseille umgebenden Fjorde, die Calanques.

Segeldampfer am Alten Hafen von Marseille

„Ich ging die wasser- und windgepeitschte Mole entlang und sah den Fischern zu. Ich irrte in der Trostlosigkeit der Docks umher und ich streifte durch die Viertel, wo sonnenverbrannte Männer alte Schuhe und Lumpen kauften und verkauften.“

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